Was sagt eigentlich der Seewetterbericht?


Seewetterberichte
Sie sind die Grundlage für die Crew auf einem Schiff, um navigatorische und taktische Entscheidungen für denTörn zu treffen. Mit Hilfe des Seewetterberichtes kann eine eigene Bordwetterkarte angefertigt werden. Damit kann abgeschätzt werden, wie schnell und wohin sich ein Druckgebilde verlagert und vor allem wie sich der Wind entwickeln wird. Seewetterberichte werden entweder über Rundfunksender, Funkfernschreiber oder Küstenfunkstellen verbreitet. Daher sind sie auch nur kurz und knapp gehalten ohne Nebensätze und Begründungen. Die benutzten Ausdrücke und Begriffe sind im wesentlichen standardisiert. Hier nur ein Beispiel. Wie oft hört man z.B. " der Wind weht mäßig aus Süd" oder "frisch aus Süd“.

Die Richtung ist jedem klar, aber in dem Text steckt auch die Windgeschwindigkeit. Für "mäßig" 11-15 kn oder 4 Bft und für "frisch" 16-21 kn oder 5 Bft Windgeschwindigkeit. Natürlich kann es immer wieder zu kleinen individuellen Abweichungen kommen.

Windvorhersagen und Warnungen
Die Windvorhersage enthält die Angaben über die mittlere Windrichtung und Windstärke (in Bft). Als Schwankung der Windrichtung soll ein Winkel von 45 Grad nicht überschritten werden, d.h. West bis Südwest und nicht West bis Süd. Ist eine Richtungsänderung von mehr als 45 Grad zu erwarten, wird eine spätere Richtung angegeben, also z. B. West bis Südwest, nordwestdrehend. Ist der Wind dagegen sehr variabel, wird z. B. Wind aus südlichem Sektor mit "südliche Winde" angegeben. Dabei kann der Wind zwischen Südost und Südwest schwanken.

Windstärke
Bei der Angabe der Windstärke in Beaufort wird die Spanne von 2 Bft nicht überschritten. Ausnahme sind umlaufende Winde mit Windstärken bis maximal Bft 4 (also Südwest 2 bis 4, aber Südwest 5 bis 6, zunehmend 7, nicht Südwest 5 bis 7) Ausnahme macht z.B. der Britische Wetterdienst, er gibt z. B. "southwesterly winds 10 to 15 m/s" an. Ist über den Vorhersagezeitraum eine Veränderung zu erwarten, benutzt man den Zusatz "zunehmend" oder "abnehmend".

Angaben zwischen zwei Windstärken (z. B. 4 bis 5) können bedeuten:
- Mittel über Zeit und Gebiet (Bft 4 bis 5, also ca. 16 kt)
- Wind örtlich schwankend zwischen Bft 4 und Bft 5 im gesamten Zeitraum
- zeitliche Zunahme von Bft 4 auf Bft 5 für das ganze Gebiet
- Wind zeitlich schwankend zwischen Bft 4 und Bft 5 im gesamten Gebiet.

Falls möglich, macht man noch den Zusatz
- 4, zunehmend 5 (langsam, rasch, später, vorübergehend)
- 4, zeitweise 5
- 4, strichweise 5
- 4, im Westteil 5

Böen
Normalerweise wird auf eine Böenangabe zum Mittelwind verzichtet. Gelegentlich wird in Seewetterberichten trotzdem der Zusatz "böig" verwendet. Er soll auf höhere Böigkeit hinweisen, als es nach Statistik zu erwarten wäre. Dies kann auch als Zunahme des Mittelwindes verstanden werden. So kann z .B. "Südwest 4 bis 5, böig" bedeuten, dass für kurze Zeit der Südwestwind im Mittel mit Bft 6 weht. Der Zusatz "Schauerböen", "Gewitterböen", "schwere Sturmböen" oder "Orkanböen" stellt eine Warnung dar. Dabei handelt es sich um Böen, die wesentlich über der zu erwartenden mittleren Windstärke liegen. Im Sommer können in Gewittern Böen von Bft 8 und höher auftreten.

Warnungen
Neben den zu festen Zeiten ausgestrahlten Seewetterberichten werden daher Wind- und Sturmwarnungen über NAVTEX, SafetyNet (Inmarsat)und über Funkfernschreiberausstrahlungen der DWD-Sender verbreitet. Diese Warnungen sehen z. B. so aus: Flensburg bis Fehmarn Südwest 6 dabei Böen von 8 Bft. Starkwindwarnungen werden ab zu erwartenden Bft 6 bis 7 herausgegeben, Sturmwarnung ab Bft 8 und mehr und Orkanwarnungen gelten ab Bft 10 und höher. Die Warnungen sollen möglichst 6 bis 8 Stunden vor dem zu erwartenden Ereignis übermittelt und verbreitet werden. Bei sehr schnellen Entwicklungen kann die Vorlaufzeit auch kürzer sein.

Sicht
Neben der Windvorhersage werden in Seewetterberichten auch Angaben zu den Sichtverhältnissen gemacht. Hierbei muß man unterscheiden zwischen meteorologischer Sicht bei Tag und Feuersicht bei Nacht.

Meteorologische Sicht
Horizontale Entfernung in einer vorgegebenen Richtung, in der es gerade noch möglich ist, ein dunkles Objekt vor einem hellen Hintergrund mit dem Auge zu erkennen.

Finden sich keine festen Sichtziele, kann die Sicht aus der aktuellen Trübung oder Klarheit der Luft abgeleitet werden. Man kann sich hier die sog. Kimmsicht zu Nutze machen. Die Kimm ist die Trennlinie zwischen Wasser und Himmel. Ist sie aus einer Beobachtungshöhe von 5 Metern deutlich zu erkennen, beträgt die Sicht etwa 4,5 Seemeilen. Ist sie verschwommen, beträgt die Sichtweite zwischen 2 und 4,5 Seemeilen.

Feuersicht

Entfernung, in der eine Lampe mit einer vorgegebenen Lichtstärke gerade noch zu sehen ist. Nicht nur Dunst und Nebel führen zu Sichtrückgang, auch Niederschlag kann je nach Intensität eine Sichtverschlechterung verursachen. In Seewetterberichten sind konkrete Entfernungsangaben nicht sinnvoll, da sich die Sichtverhältnisse räumlich und zeitlich sehr unterscheiden. Daher wählt man eine sprachliche Darstellung, wie stark diesig, mäßige Sicht, etc. 

Da die Sicht je nach Himmelsrichtung unterschiedlich sein kann, wird aus Sicherheitsgründen in allen meteorologischen Angaben stets die geringste Sichtweite angegeben.

Seegang
Seegangsvorhersagen in Seewetterberichten enthalten nur eine Höhenangabe, eine sogenannte kombinierte Wellenhöhe. Sie beschreibt die resultierende Wellenhöhe aus Windsee und Dünung, oder allgemeiner gesagt, die aus mehreren unabhängigen Wellensystemen erzeugte Wellenhöhe. Für den erstgenannten Fall werden die beiden Werte zum Quadrat genommen, addiert und die Wurzel gezogen.

Zum Beispiel:
Höhe der Dünung: 3 m
Höhe der Windsee: 2 m
kombinierte Wellenhöhe: 3,6 m

Windsee
Als Windsee bezeichnet man den Seegang, der im wesentlichen durch den am Ort oder in der näheren Umgebung herrschenden Wind angefacht und aufrechterhalten wird. Sie charakterisiert sich durch die spitze Form der Wellenkämme und Ungleichmäßigkeit der einzelnen Wellen. 

Dünung
Dünungswellen sind deutlich länger als die Wellen der Windsee und stark abgerundet. Dünung ist alter Seegang und kann große Entfernungen zurücklegen.

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